Der Ort Liebenscheid wurde am 18.06.1341 zum ersten mal urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit gehörte er bereits zum Fürstentum Nassau. Möglicherweise liegt die ursprüngliche Gründung der Siedlung noch ein bis zwei Jahrhunderte früher. In der Urkunde von 1341 geht es um die Teilung der Grafschaft Nassau-Dillenburg unter die zwei Söhne des Grafen. Heinrich I von Nassau-Beilstein erhielt unter anderem Liebenscheid.
Möglicherweise bestand zu dieser Zeit bereits eine Befestigung in Liebenscheid, die die Fernstraße vom Rhein nach Frankfurt am Main kontrollieren sollte, die in der Nähe verlief. In den zweihundert Jahren der Nassau-Beilsteinischen Herrschaft stand in Liebenscheid eine Burg, die immer weiter ausgebaut wurde. Noch heute nennen die Liebenscheider den kleinen Park in der Dorfmitte "Schlosspark".
Tatsächlich bekam der Ort (gemeinsam mit Weißenberg) 1360 von Kaiser Karl IV die Stadtrechte verliehen und in der Burg residierten zeitweise die jüngern Brüder des jeweiligen Grafen. Liebenscheid wird sogar hier und da als "Hauptstadt" der Grafschaft Nassau-Beilstein genannt. Die Burg wurde weiter ausgebaut mit Turm und Mauer, ein Gericht wurde eingerichtet und 1452 eine erste Kapelle gebaut.
1561 kam Liebenscheid wieder zurück zur Grafschaft Nassau-Dillenburg. In dieser Zeit war der Ort auch ein Militärstandort; es wurde hier das "Fähnlein Liebenscheid" stationiert. Die Burg wurde zeitweilig als Gefängnis benutzt, in dem auch der Vater Jan von Peter Paul Rubens inhaftiert war. 1620 fiel Liebenscheid dann an Nassau-Diez. Die Nassauer Grafschaften sind sehr verwirrend und es gab immer wieder Teilungen und Vereinigungen. Nassau-Diez war immer noch nicht die letzte Nassauer Station Liebenscheids.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Liebenscheid schwer in Mitleidenschaft gezogen, weil es an einer Durchzugsroute der verfeindeten Heere lag. Auch die Burg war nun nicht mehr bewohnt und verfiel zusehends. Schließlich wurde sie zu einem "Steinbruch" aus dem man sich bediente um andere Häuser zu bauen. Ein großer Teil der Steine wurde zum Bau des Schlosses Oranienstein bei Diez genutzt.
Von 1741 bis 1806 folgte die Zugehörigkeit zu Nassau-Oranien und nach den Wirren der Napoleonischen Kriege ab 1815 zum Herzogtum Nassau.. Es gibt noch einige Grenzsteine in der Gemarkung Richtung Hickengrund, mit denen die Grenze zwischen KP (Königreich Preußen) und HN (Herzogtum Nassau) bezeichnet wurde. Heute ist es die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Nach dem Ende von Nassau 1866 gehörte Liebenscheid zu Preußen und nach dem zweiten Weltkrieg zum neu gegründeten Land Rheinland-Pfalz.
Etwa 1545 wurde hier die Reformation eingeführt. Liebenscheid gehörte zum Kirchspiel Neukirch. Die heutige Kirche wurde 1765 gebaut. Es war auch die Kirche für die Evangelischen aus Weißenberg, die mit den Liebenscheidern zusammen seit 1755 ein eigenes Kirchspiel bildeten. Noch heute gehen traditionsbewusste Liebenscheider durch die rechte Tür (vom Altar aus betrachtet) und die Weißenberger durch die linke Tür zum Gottesdienst. Das Pfarrhaus wurde 1779 eingeweiht.
Eine Schule gab es von 1592 an in Liebenscheid. Es war eine Parochialschule, also eine Schule für das ganze Kirchspiel (damals Neukirch). 1970 wurde die Grundschule Liebenscheid geschlossen. Seitdem gehen die Kinder in die Grundschule Nister-Möhrendorf. Auch die Kindertagesstätte für Liebenscheider Kinder ist heute in Nister-Möhrendorf in Trägerschaft eines Zweckverbandes aller beteiligten Ortsgemeinden.
In Liebenscheid gibt es heute eine sehr aktive Freiwillige Feuerwehr mit Förderverein, die ihr Arbeit im Feuerwehrgerätehaus tut, das im Jahr 2026 ausgebaut und renoviert wird. Der TSV Liebenscheid hat einen Sportplatz, der 2025 einen Kunstrasenplatz erhielt. Die erste Mannschaft ist in der letzten Zeit sehr erfolgreich unterwegs. Im Jahr 2025 feierten die Feuerwehr (100 Jahre) und der TSV (60 Jahre) gemeinsam Jubiläum.
Es gibt eine Hütte mit Grillplatz, die vom Hütten- und Heimatverein Liebenscheid betrieben wird. Im Winter gibt es die Möglichkeit zum Langlauf. Das international bekannte Schlittenhunderennen findet leider nicht mehr statt.
Die Gemeinde Liebenscheid hat im Ort ein großes und attraktives Dorfgemeinschaftshaus und eine Mehrzweckhalle, deren Renovierung für 2027 geplant ist.
Quellen:
https://www.rennerod.de/politik-verwaltung/ortsgemeinden/ortsgemeinden/liebenscheid
https://de.wikipedia.org/wiki/Liebenscheid