Wer heute das kleine Dorf Liebenscheid im Hohen Westerwald besucht, ahnt nichts von der Bedeutung dieses Ortes in der Geschichte. Leider ist nichts mehr von der Burg zu sehen, die Jahrhunderte lang das Ortsbild geprägt hat. Heute gibt es nur noch Reste eines Kellergewölbes, verborgen unter einem Haus im Dorfkern. Noch heute nennen die Liebenscheider den kleinen Park in der Dorfmitte "Schlosspark".
Möglicherweise geht die Gründung des Ortes auf eine Befestigung zurück, die die Fernstraße vom Rhein nach Frankfurt am Main kontrollieren sollte, die in der Nähe verlief. Zusammen mit dem Ort Liebenscheid wurde auch die Burg zum ersten Mal am 18.06.1341 urkundlich erwähnt. In der Urkunde von 1341 geht es um die Teilung der Grafschaft Nassau-Dillenburg unter die zwei Söhne des Grafen. Heinrich I von Nassau-Beilstein erhielt unter anderem Liebenscheid mit der Burg.
Das Haus Nassau-Beilstein baute die Burg als Nebenresidenz zur Burg Beilstein aus. Die Burg Liebenscheid bildete eine Befestigung im Westen ihrer Grafschaft gegen die Herren von Westerburg. Mit diesen lagen die Grafen von Nassau-Beilstein wiederholt im Konflikt um die Herrschaft zum Westerwald. Tatsächlich bekam der Ort (gemeinsam mit Weißenberg) 1360 von Kaiser Karl IV die Stadtrechte verliehen und in der Burg residierten zeitweise die jüngern Brüder des jeweiligen Grafen. Liebenscheid wird sogar hier und da als "Hauptstadt" der Grafschaft Nassau-Beilstein genannt.
Es gibt keine zuverlässigen Angaben über den Bau und Ausbau und das Aussehen der Burg. Sicher ist, dass sie im 14. Jahrhundert mit Turm und Mauer weiter ausgebaut wurde. In einem Inventar von 1577 wurden insgesamt 34 Räume aufgeführt. Auch ein Turm wird erwähnt, bei dem es sich möglicherweise um den Bergfried handelte.
In der Burg gab es eine Kellerei und sie wurde auch zeitweilig als Gefängnis benutzt, in dem unter anderem der Vater Jan von Peter Paul Rubens um 1572 inhaftiert war.
Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg ließ zwischen 1587 und 1594 die Befestigung der Burg mehrfach ausbauen und um Schanzen ergänzen. Die Burg sollte ein Bollwerk gegen spanische Truppen während des Niederländischen Befreiungskrieges bilden.
Bis 1617 war die Burg noch bewohnt und wurde als gut erhaltenes Schloss bezeichnet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Liebenscheid schwer in Mitleidenschaft gezogen, weil es an einer Durchzugsroute der verfeindeten Heere lag. Auch die Burg war nun nicht mehr bewohnt und verfiel zusehends. Schließlich wurde sie zu einem "Steinbruch" aus dem man sich bediente um andere Häuser zu bauen. Ein großer Teil der Steine wurde zum Bau des Schlosses Oranienstein bei Diez genutzt.
Quellen:
https://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=609
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Liebenscheid